Autisten

Forum-Navigation
Du musst angemeldet sein, um Beiträge und Themen erstellen zu können.

Optimale Bedingungen an einen Arbeitsplatz

Wie sieht für euch der optimale Arbeitsplatz aus? Auf welche Hindernisse seid ihr bisher gestossen?

Ayani Oriel Pont has reacted to this post.
Ayani Oriel Pont

Hier ein paar Zitate (schräg gedruckt), hinter die ich mich 100% stellen kann... 

"Das eigene Potential zu entfalten, ist für viele Menschen mit Herausforderungen verbunden. Wir wissen: Für Autisten können es bestimmte soziale Interaktionen, räumliche Details oder Sinnesreize in der Arbeitsumgebung sein, die ein erfolgreiches Arbeiten schwierig machen. Entsprechend viele Autisten tun sich trotz fachlicher Kompetenz entsprechend schwer, am ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.
 
Das ändern wir: Die spezifischen kognitiven Stärken und Kompetenzen vieler Autisten sind nützlich und viel zu wertvoll, um sie brachliegen zu lassen. 
Wir ermöglichen Menschen im Autismus-Spektrum eine berufliche Tätigkeit, die ihren eigentlichen Qualifikationen gerecht wird. In unserer Unternehmensphilosophie steht der Mensch im Mittelpunkt: Nicht nur der Autist muss sich an seine Umwelt anpassen, sondern die Unternehmen profitieren von Autisten, indem sie auch auf sie eingehen und mit uns gemeinsam autismusfreundliche Arbeitsumgebungen schaffen. Mit Verständnis, Bewusstsein und Know-how schaffen wir ein Umfeld, das unsere Consultants – durchweg Menschen im Autismus-Spektrum – in die Lage versetzt, Bestleistungen abzurufen und die eigenen hohen Qualitätsansprüche zu erfüllen. 
Wir sorgen mit massgeschneiderten Lösungen dafür, dass jeder Mitarbeiter seine persönlichen Fähigkeiten und Interessen optimal einbringen und diese im eigenen Tempo weiterentwickeln kann
 
Was heisst Autismus?
Wer nach einer Definition von Autismus sucht, liest oft von einer «angeborenen tiefgreifenden Entwicklungsstörung» – aus unserer Sicht nur begrenzt hilfreiche Worte, um Autismus zu verstehen. 
 
Autismus ist keine Störung, keine Krankheit, kein Systemfehler: Autismus ist ein anderes Betriebssystem. 
Autismus ist eine andere Art, die Welt, in der man lebt wahrzunehmen, in ihr zu handeln, zu leben. Autismus ist angeboren und beeinflusst die Informationsverarbeitung, die Wahrnehmung, die Kognition und die Emotionen einer Person. - AUTICON website
 
„Warum sollte ich mich an eine ungesunde Arbeitswelt anpassen?“ 
Die Frage sollte lauten: 
Wie kann sich die Arbeitswelt autistischen Arbeitnehmer*innen anpassen?
 
Die Gründe dafür seien nicht in erster Linie bei den Autist*innen selber zu suchen, sagt Ivonne Fernández y González von Neurodivers e.V., einem Verein zur Stärkung des Selbstbewusstseins sowie der Selbstbestimmtheit von Menschen aus dem Autismus-Spektrum. 
„Die Hürden sind oft nicht die mangelnde Leistungsfähigkeit oder der mangelnde Wille von Autist*innen“, sagt die studierte Psychologin, die Kunstprojekte für autistische Kinder anbietet. 
Aus ihren Kursen und aus eigener Erfahrung – sie ist selbst Autistin – weiß Fernández: 
„Gewissenhaftigkeit ist ja bei Autist*innen vorhanden. Oft ist auch genug kognitives Potenzial da. Meist sind auch viele Fähigkeiten vorhanden.“                                                                                                                                                                                        
 
Vielmehr würden viele Arbeitsverhältnisse an der mangelnden Barrierefreiheit des Arbeitsumfelds scheitern. 
„Das, was behindert, ist das Umfeld“, betont die Expertin.
In einem barrierefreien Umfeld kämen Autist*innen meist gut zurecht und könnten ihre Leistung abrufen. 
Doch das Arbeitsumfeld sei leider nur selten barrierefrei: Die Arbeitswelt sei oftmals noch überhaupt nicht zugänglich für Autist*innen, sagt Fernández, sondern gespickt mit vielen Barrieren. „Häufig scheitern Arbeitsverhältnisse an diesen unsichtbaren Barrieren“, sagt sie.                    
 
Was sind das für Barrieren?
Autistische Menschen nehmen Reize viel intensiver wahr
Nach der Intense World Theory der Hirnforscher*innen Henry und Kim Markram, in der sich viele Autist*innen wiederfinden würden, beruhe Autismus in erster Linie auf einer Hypersensibilität des Gehirns gegenüber Reizen, erklärt Fernández. Deswegen sei eine der größten Barrieren, auf die Autist*innen in der Arbeitswelt stießen, ein Büroraum voll mit Reizen. „Das klassische Großraumbüro, wo parallel unterschiedliche Gespräche laufen, ein hoher Lärmpegel herrscht, viel Hektik, viel Bewegung – das ist für viele Autist*innen ganz, ganz schwierig“, sagt auch Teresa Reutemann von Diversicon.
 
Autismus sei vor allem eine Reizfilterschwäche und keine psychische Störung, betont auch Jobcoachin Kristina Meyer-Estorf, die mit ihrem Unternehmen Turtle Steps Autist*innen und Firmen in Sachen Neurodiversität und Arbeit stärkenorientiert begleitet. 
„Autistische Menschen nehmen die ganzen Reize in einem Büro viel mehr und viel intensiver wahr“, sagt die studierte Sonderpädagogin, die selber diagnostizierte Autistin ist. „Wenn nur drei Menschen im Büro sind, dann kann es für Autist*innen schon zu viel sein“, sagt sie.
 
Hätten autistische Arbeitnehmer*innen keine Möglichkeit, sich gegen die Reize in ihrer Umgebung abzuschirmen, würde ihre Leistungsfähigkeit darunter leiden, sagt Meyer-Estorf. „Dann werden sie immer wieder aus den Aufgaben, die sie gerade erledigen, rausgerissen“, sagt die Expertin, „und dann finden sie nicht wieder rein“. 
Wenn am Arbeitsplatz keine entsprechenden Vorkehrungen getroffen würden, könne eine permanente Reizüberflutung bis hin zur Arbeitsunfähigkeit führen, sagt Meyer Estorf.   
 
RAHMENBEDINGUNGEN .. Autismus am Arbeitsplatz    
Warum es AUTISTEN unmöglich ist, in einem Großraumbüro zu arbeiten oder Smalltalk zu machen. 
Und warum die Kollegen nicht erkennen können, wenn bestimmte Abläufe nicht effizient sind.
Wenn schon in der Schule die Pausen anstrengender waren, als der Unterricht. 
Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können autistische Menschen ihre Ausbildung und den Arbeitsalltag erfolgreich meistern.         

In English gibt es natürlich auch sehr viel... AXIA ASD UK ist ein Ort, wo Autismus diagnostiziert wird, man jedoch ALS MENSCH und EXPERTE für die eigene Wahrnehmung angesehen wird. 

Die haben auch nach der Diagnose extra eine POST DIAGNOSTIC SUPPORT GROUP gebildet, weil sie gemerkt haben, das es nach der Diagnose eben noch mehr UNTERSTÜTZUNG braucht. 

Axia erarbeitet zusätzlich mit dem Autisten zusammen realistische Anpassungen am Arbeitsplatz. Da geht man also nicht mit nur einer Diagnose nach Hause, sondern ist eingebettet in einem Netz an Unterstützung und Möglichkeit sich mit anderen Autisten auszutauschen.

Summary of factors to consider when identifying adjustments                                                                                                                                                                                   For neurodivergent employees,pathways for seeking adjustments can be challenging.According to the EqualitiesAct2010, employers have a duty to provide reasonable adjustments if an employee has a disability.

However, neurodivergent participants reported that they had difficulty in accessing adjustments because they did not always feel safe to disclose their diagnosis.                                                                                                                                      Likewise, some participants also wanted adjustments but had self-diagnosed and did not feel that they were afforded the same level of protection by the EqualitiesAct2010.                                                                                                                                                                                                             Stigma also affected recruitment processes, where participants reported that they did not indicate on application materials about their diagnosis for fear of negative discrimination.                                                                                                                                                                                                                                           Moreover,speaking up about adjustment needs can be challenging given the communication difficulties encountered by many neurodivergent people, which is why organisations need to be proactive in supporting ongoing dialogue with employees around adjustments.

In der Schweiz hinken wir so ziemlich hintendrein.... ich wusste jetzt nicht einmal, wie und wo man sich anmelden muss für die IV... wo kriege ich das Formular her, wie fülle ich es aus?

Hatte Glück, das anerkannt wurde, das mein jetziger Beruf im Zugrestaurant nicht geeignet für mich als ASPIE ist, doch nun geht es in die berufliche Abklärung, an einem Ort, der angeblich auf Autismus spezialisiert ist, doch, die wollen einem nicht entgegen kommen, das Büro ist open plan office, ohne Trennwände, kein Ort wo man sich zurückziehen kann,  und keine privaten Büros. Die anderen Angebote (Brocki, Nähatelier, Packstation, Holzwerkstatt  etc. ) sind auch alle im Teamsetting. 

Wieder wird verlangt, das man sich anpassen muss und dann wird geschaut, ob man mehr wie 50% arbeitsfähig ist, in einem Umfeld, das für Neurotypische konzipiert ist, an einem Ort, der extra seine Leute für spezielle Schulungen über Autismus nach Deutschland schickt, doch auf solch individuellen Bedürfnisse wird trotz aller Schulung im Ausland nicht eingegangen. 

Das ist für mich ein totaler Widerspruch.. Soll eine solche berufliche Abklärung etwas fair sein? 

Es gibt dazu ein ganz gute Master Arbeit von Leah Gerstenkorn, die auch hier in Winterthur lebt, eine der wenigen Fachkräfte und selbst Autistisch. 
Quote: 
"Der ständige Spagat zwischen den für neurotypische Menschen gängigen Anforderungen und Erwartungen und den eigenen Möglichkeiten führen zu einem enormen Anpassungsdruck. Um diesem aushalten zu können – und die Arbeitsstelle zu behalten -, investiert ein autistischer Arbeitnehmer oft sehr viel mehr Energie als seine Kollegen. Emotionale und physische Überforderung sind die Folgen, was wiederum die kognitiven Fähigkeiten reduziert.

Ein Autist muss für sich abwägen, wo er Kompromisse eingehen kann, unter welchen Umständen er dennoch arbeiten kann, aber auch wo die Grenzen seiner Belastbarkeit liegen und ihn in seiner Arbeitsfähigkeit einschränken. 

Es braucht Mut und Selbstvertrauen für eine autistische Person, wenn sie für Unterstützung, Anpassungen oder Erleichterungen nachfragt. 

Die belastenden Faktoren stellen nämlich für den Grossteil der anderen Angestellten keinerlei oder weitaus geringfügigere Schwierigkeiten dar – ja, sie werden oft nicht einmal bewusst wahrgenommen (Lichtverhältnisse, Hintergrundgeräusche, unklare Anweisungen usw.) oder sogar als angenehm und entspannend bewertet (Smalltalk am Morgen, Kaffeepause, Teamausflüge, zusammen Sport treiben usw.). Der Grad und die Auswirkungen der Belastung sind somit schwer nachvollziehbar. “ end of quote

 

Und warum wird so auf WIEDEREINGLIEDERUNG im 1. Arbeitsmarkt gedrängt, wenn man doch (aus meiner Sicht) logischerweise zuerst eine LAUFBAHNBERATUNG erhalten sollte, dann hat man eine bessere Ahnung, in welche Richtung es geht. Warum wird das Pferd am Schwanz aufgesattelt? 

Ich habe in all den Berufen auf denen ich gearbeitet habe immer einen klaren Unterschied gemerkt zwischen selbständigem Arbeiten  (wo ich ziemlich leistungsfähig bin) und einem Arbeitsplatz im Team Setting wo sogar schon zu burnout geführt hat, von dem ich nie ganz erholt habe. 

Warum kann auf autistische Bedürfnisse (und die Gesundheit) nicht Rücksicht genommen werden?      Das macht doch keinen Sinn, wenn man möglichst eine hohe Leistungsfähigkeit erreichen will und vorbeugen will, das es zur vollen IVrente kommt? Angeblich erhalten die Orte, die berufliche Abklärungen machen, von der IV Geld für jede Person, die sie im 1. Arbeitmarkt unterkriegen, somit besteht hier ein Interessenskonflikt, und vermutlich ist die Motivation dann nicht so gross, auf die Bedürfnisse des Autistischen Arbeitnehmers einzugehen, man will wohl möglichst eine unkomplizierte Arbeitskraft vermitteln (auf Kosten des Autistischen Arbeitnehmers), doch der Schuss geht meiner Meinung nach hinten raus.

Wofür bin ich denn durch das ganze Diagnose Verfahren durchgegangen, wenn ich dann genau gleich für eine Firma arbeiten soll, die keine Extrawürste erlaubt und erwartet, das man sich auf Gedeih und Verderb anpasst? Es besteht  irgendwie sehr wenig rechtlicher Schutz für den AUTISTISCHEN ARBEITNEHMER, viele Stellen können einen da wenig unterstützen, und Coaching ist erst möglich, wenn die IV der Finanzierung zugestimmt hat. Man kann sich also sehr wenig Unterstützung holen, wenn man finanziell knapp dran ist... läuft alles über die IV. 

Bei Orten wie jetzt Auticon (die eben SEHR Autismus FREUNDLICH orientiert sind) kann man keine Abklärung machen, weil die keinen Vertrag mit der IV haben...

Eine berufliche Abklärung dauert immerhin 1-3 Monate, das heisst, man sollte das Ganze überstehen, ohne traumatisiert zu werden, weil man gezwungen wird in einem Neurotypischen Umfeld zu arbeiten.  

Dies sind MISSSTÄNDE die sich ändern müssen.

Ich finde, es sollte zuerst geschaut werden, wo sind die Spezialinteressen, Talente, Begabungen.

Ein Arbeitplatz sollte dem AUTISTEN angepasst werden und nicht umgekehrt. 

Forum Suche
Neueste Foren Beiträge
Hallo suche partnerin
Shiatsu
Umgang im Alltag